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In der Stille spricht das Herz – Vipassana Meditation

In der Stille spricht das Herz – Vipassana Meditation

Vipassana oder „die Dinge sehen, wie sie wirklich sind“ ist eine der ältesten Meditationstechniken Indiens, die uns lehrt, die Suche nach Glück und Frieden in uns selbst zu beginnen.

In der Meditation wird Euer Geistesmuskel trainiert, der Muskel der jeden Tag am meisten im Einsatz ist und der allzu oft unbewusst eingesetzt wird. Vipassana nach S.N. Goenka ist eine Methode, um diesen Muskel zu trainieren, stärker zu machen und dadurch fokussierter im Alltag zu sein.

Ein wesentlicher Unterschied der Vipassana Methode zu anderen Meditations-Techniken zeigt sich darin, dass der Geist nicht nur beruhigt wird, indem man versucht an „nichts“ zu denken (was nicht möglich ist) oder indem man sich auf ein Objekt im Außen fokussiert (zB. eine Kerze), sondern  dadurch, dass man von Innen heraus den Geist reinigt und trainiert.

Das klingt jetzt sehr abstrakt – aber stellt Euch vor, Ihr beginnt mit dem alljährlichen Frühjahrsputz, wirbelt den Staub auf, der so richtig dicht in der Luft und am Boden liegt. Was ist jetzt die Methode, die effektiver ist – einfach nur stehen zu bleiben und warten, bis der Staub sich legt oder den Staub auch aus der Wohnung zu befördern? Und genau nach dem Prinzip funktioniert ist das Prinzip Vipassana – Ihr lässt den Staub/Altlasten nicht einfach sinken, sondern befördert den „Dreck“ aktiv.

Vipassanā (pali „Einsicht“) bezeichnet im Buddhismus die Einsicht  in die drei Daseinsmerkmale: Unbeständigkeit (anicca), Leidhaftigkeit beziehungsweise Nichtgenügen (dukkha) und Nicht-Selbst (anatta).

Diese Form der Meditation wurde vor über 2500 Jahren in Indien von Gotama, dem Buddha selbst, wiederentdeckt und von ihm als eine Kunst zu leben gelehrt. Seither gilt die Vipassana Methode als ein universelles Heilmittel gegen physische und psychische Erkrankungen und soll zur Einsicht in die Wirklichkeit des eigenen Wesens führen. Vipassana ist  für jeden frei zugänglich und nicht gebunden an eine Religion oder eine bestimmte Weltanschauung. Buddha nannte seine Lehre „Dhamma“, das Gesetz der Natur.

Wesentlicher Bestandteil der Meditationspraxis ist die Übung von Achtsamkeit (sati) – deshalb wird sie auch oftmals als Achtsamkeitsmeditation bezeichnet.

Durch diese selbst zu erfahrende Achtsamkeit strebt der Mensch die vollständige Beseitigung geistiger Unreinheiten und letztendlich die vollkommene Befreiung vom Leiden an. „Ich lehre und lehrte stets nur über das Leiden und die Auflösung des Leidens“, so Buddha (Hart 2006, S. 26).

Die wichtigste Instanz in diesem Prozess ist die eigene Erfahrung der Wahrheit. Dieses Prinzip entspricht dem Yoga Sutra 1.1. bei Patanjali, wo es heißt: „atha yoga-anusasanam“. Dieser ausschlaggebende Satz, mit dem das Yoga Sutra eingeleitet wird, bedeutet, dass sich Einheit nicht erdenken oder erfühlen lässt, sondern nur durch eigene Übung selbst erfahren werden kann.

Der Schwerpunkt bei der Vipassana Meditation liegt auf der engen Wechselbeziehung zwischen Körper und Geist, die durch die fokussierte Achtsamkeit auf die körperlichen Empfindungen auf direktem Wege erfahren werden kann.

Es ist ein Weg der Einsicht in die Natur der Wirklichkeit, denn nur wenn wir Erkenntnis über unsere eigene Natur gewinnen, sind wir in der Lage die Natur und die Verbundenheit des gesamten Daseins zu verstehen und Freiheit von Leid zu erfahren.

Empfindungen und Emotionen bestimmen das Leben und beeinflussen einander in ständiger gegenseitiger Abhängigkeit. Sie konditionieren den Geist und führen zu Leid (dukkha). Indem wir uns selbst intensiv beobachten, decken wir diese Konditionierungen und Vorurteile, die die Wahrheit vor uns verbergen, auf. Wir lüften sozusagen die Schleier des Nichtwissens (avidya).

Die Methode der Vipassana Meditation ist eine Art Reinigungsprozess des Geistes. Durch Selbstbeobachtung und damit einhergehender De-konditionierung unserer Verhaltensmuster klären wir allmählich unseren Geist. Wir entdecken das Gute und Heilsame – die wahre Natur des Geistes. Die Konditionierungen können mit avidya (Nichtwissen, Unwissenheit) bei Patanjali verglichen werden. In Yoga Sutra 2.28 heißt es: „yogāṅgānuṣṭhānād aśuddhi-kṣaye jñāna-dīptir āviveka-khyāteḥ“. Es zeigt auf, dass wir auf dem Yogaweg, die Unreinheiten im Geist (Citta) minimieren und dadurch zwischen Sein und Schein unterscheiden können und die Wahrheit in uns finden.

Die auf Innenschau gründende, selbsterforschende Reise zu dem gemeinsamen Ursprung von Geist und Körper löst diese geistigen Unreinheiten auf und führt zu einem ausgeglichenen Geist voller Liebe und Mitgefühl.

Dieser Weg ist ein Prozess, der sich schrittweise vollzieht. Durch Selbstbeobachtung und beharrliches, kontinuierliches Üben kann Leid  gelindert werden, um step by step zu einem Leben in Wahrheit und Reinheit zu gelangen.

Diese direkte persönliche und ungefilterte Erfahrung mit uns selbst ermöglicht uns, Sensibilität für uns selbst und folglich auch anderen gegenüber zu entwickeln.

Wir erhalten Antworten auf Fragen, die wir rational so hätten nicht beantworten können. Wir sind verbunden mit uns selbst durch diese achtsame Innenschau und mit können aus unserer Intuition heraus mit Liebe und Mitgefühl unser Leben gestalten.

Wir haben es selbst in der Hand, unser Leben von Leid zu befreien, indem wir durch gesteigerte Achtsamkeit Illusion und Täuschung durchschauen und damit größere Selbstkontrolle erlangen, um inneren Frieden und Harmonie schaffen.

Habt den Mut Eurem inneren Sturm entgegenzutreten, um nach und nach ins Auge des Sturms zu gelangen.

Mit diesem Toolkit ausgestattet, gilt es die gesteigerte Achtsamkeit in jeden einzelnen Moment des Alltags zu integrieren, um den Ups and Downs des Lebens gleichmütig und liebevoll zu begegnen. Daher empfehle ich Euch, Euch auf das Abenteuer Vipassana, auf das Abenteuer „Selbst“ einzulassen und Euch von Innen kennen zu lernen.Und glaubt mir, diese innere Harmonie wird sich auch in Eurer Umwelt zeigen, da unser Bewusstsein immer ein Abbild der Gesellschaft ist.

Wenn Euer Interesse geweckt ist, dann kann ich Euch empfehlen, den Weg ganz zu gehen und Euch auf eine 10 Tages Meditationserfahrung in „edler Stille“ einzulassen. Legt das „wilde Pferd“ aka Euren Geist an die Leine, dressiert es und bringt es unter Kontrolle anstatt von ihm an der Nase herumgeführt zu werden. Das wird definitiv mein nächster Schritt auf dem Weg zu mir selbst sein.

Weitere Informationen zu Vipassana und den Kursen findet Ihr auf der offiziellen Website https://www.dhamma.org/de/

Meine Buchempfehlungen:

Die Kunst des Lebens: Vipassana Meditation nach S.N. Goenka von William Hart

Dieses Buch beschreibt die Theorie hinter der Vipassana-Meditation, wie sie von S.N. Goenka gelehrt wird. Es geht ohne Umschweife sehr in die Tiefe und beschreibt warum Vipassana funktioniert und so effektiv ist – es wird dir auch helfen, die täglichen Vorträge im Kurs besser zu verstehen.

Triffst Du Buddha, töte ihn! von Andreas Altman

Andreas Altmann beschreibt in diesem Buch seine Erfahrungen mit Indien und mit Vipassana-Meditation. Dies ist nicht nur für Indien-Reisende sehr lesenswert sondern es beschreibt auch den täglichen Ablauf des Kurses sowie die Gedanken die kommen könnten. Unterhaltsam, mit wahrem Kern und daher ein guter Ausgleich zur Theorie von William Hart.

Falls Ihr noch Fragen zu der Vipassana-Medition habt, schreibt mich gern an unter info@fbyoga.de an!

Namasté

Eure Frederike

 

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Möchtest Du mehr über die Autorin Frederike Joana Barow wissen, dann hast Du hier ihren Link zu ihrer Homepage www.fbyoga.de

 

 

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