Yoga 'n Cooking Yoga 'n Cooking

Corona, Yoga und die Angst um die eigene Existenz…

Trotz meiner momentanen gesundheitlichen sehr herausfordernden Situation versuche ich immer noch ein wenig Platz für Normalität in meinem Leben zu schaffen und beschäftige mich deshalb natürlich täglich mal mehr und auch mal weniger mit meinen Lieblingsthemen wie Ayurveda ( Kochen ), Yoga und den ätherischen Ölen. Und so kam es, dass ich gestern ein etwas längeres Telefonat mit einer freiberuflichen Yogalehrerin führte.
Wir sprachen über alles mögliche, sie wollte wissen wie ich mit meinen Therapien zurecht kommen, ob ich die ätherischen Öle nutze , wie ich meinen Körper unterstütze ( der sonst noch nicht einmal in den Genuss von Kopfschmerztabletten kommt ) mit all den schulmedizinischen Präparaten
( sie meinte damit natürlich meine BTM Schmerzmittel ) zurecht zu kommen und plötzlich waren wir beim Yoga.
Wie die Situation für die Yogastudios seit dem Lock Down im März und der Wiedereröffnung vor 2 Wochen aussieht, haben ja viele bereits mitbekommen. Wir vom Satyaloka und Urban Yoga sind ja bereits in der ersten Woche des Lock Downs mit unseren Kursen Online gegangen. Andere haben da länger gebraucht oder sich komplett gegen den Online Unterricht entschieden. Für viele Teilnehmer waren die Online Kurse wie ein Anker in dieser Zeit, andere wiederum konnten mit den Online Kurses gar nichts anfangen.
Seit 2 Wochen darf der Unterricht jetzt auch wieder offline stattfinden, zwar mit vielen Vorgaben, aber immerhin.
Das es finanziell für die meisten Studios sehr herausfordernd ist, weil u.a. die Raumgröße der Kursräume nicht genutzt werden kann und entsprechend weniger Teilnehmer zum Praktizieren ist leider eine nicht zu verhindernde Konsequenz. Wie für alle Unternehmen mit Publikumsverkehr ist das rein betriebswirtschaftlich gesehen eine sehr schwierige und über einen längeren Zeitraum kaum zu bewerkstelligende Situation.
Und wie geht es den freiberuflichen Yogalehrerinnen und Yogalehrern?
Wie sind sie in den letzten Monaten mit ihrem plötzlichen Berufsverbot in der Öffentlichkeit umgegangen?
Was wissen wir eigentlich über diese Menschen?
Fast jeder kennt eine Yogalehrerin oder hat eine Yogalehrerin oder einen Yogalehrer, deren/dessen Kurse man mag, aber was weiß man denn sonst genau über sie?
Haben sie Unterstützung bekommen, haben sie ihre Teilnehmer und dadurch ihre Einnahmen durch Onlinekurse behalten, haben sie Soforthilfe bekommen?
Hat das Studio ihre Honorare weiter bezahlt?
Oder unterrichten sie nur aus “Spaß”, weil der Ehemann oder der Freund das Leben mitfinanziert ?
Ich weiß, dass die Offline Kurse sehr langsam erst wieder richtig anlaufen. Viele Leute haben immer noch Angst vor all möglichen Dingen. Vielen Leuten geht es wirtschaftlich schlechter und sie können sich Yoga einfach nicht mehr leisten.
Wie wirkt sich all das auf die freiberuflichen YogalehrerInnen aus? Ich habe mir überlegt hier auf meinem Blog einfach mal ein paar YogaleherInnen zu Wort kommen zu lassen.
Heute erfahrt ihr von Sophia Lamp wie sie die letzten Monate erlebt hat.

HEY HO, LET`S GO!
Oh… – ach nee, doch nicht… Einblicke in das Leben einer Yogalehrerin in Corona-Zeiten
Um es mit den Worten der Ramones zu sagen: „HEY HO LET ́S GO“ war das, was ich erwartet hatte, als es hieß, die Yogastudios dürften im Mai 2020 wieder eröffnen. Soweit die Euphorie.
Nach einer gefühlten Unendlichkeit – besonders der Monat April 2020 war der längste April meines Lebens – sollte also wieder ein geregeltes Arbeitsleben für mich als Yogalehrerin stattfinden.
Diese zuvor gefühlte Unendlichkeit machte sich insbesondere in finanzieller Hinsicht bemerkbar. Während die Yogastudios eine Soforthilfe erhielten (auch wenn diese schnell verpuffte), manche Inhaber sogar das Glück hatten, dass viele Teilnehmer ihre Beiträge weiterzahlten, einige sogar zusätzliche Hartz IV beziehen durften, stand ich als selbstständige Yogalehrerin ohne alles da: Keine Soforthilfe, kein Hartz IV, keine Teilnehmer, die weiterzahlten.
In Worten: NULL KOMMA NULL EURO und das fast 3 Monate lang.
Auch wenn ich die Kosten für die Unterhaltung eines Yogastudios nicht aufbringen musste, habe ich selbstverständlich Lebenserhaltungskosten, die bedient werden wollen.

Wer zahlt die Kosten für das Haus, in dem ich wohne? Wer zahlt für mich Strom, Gas, Telefon/Internet, Krankenkassenbeiträge, Versicherungen, Hygieneartikel, Bekleidung, Benzin, Hundefutter, Tierarztrechnungen usw.? Ach ja, und essen und trinken möchte ich auch ganz gern, wenn ́s niemanden stört. Nur wie bezahle ich das alles mit 0,00 €?
Als selbstständige Yogalehrerin falle ich komplett durch das Raster unseres SOZIALstaates.

Denkt jemand in den oberen Reihen auch mal an Menschen, wie mich?

Ich habe seit meinem 14. Lebensjahr gearbeitet, um mein eigenes Geld zu verdienen und um Diskussionen mit meiner Mutter zu entgehen, warum sie mir die teure Markenjeans nicht kaufen wollte.
Seit nunmehr 30 Jahren arbeite ich also, um mir Freiheit und Unabhängigkeit zu ermöglichen.
Selbst in meiner Studienzeit hatte ich eine 6-Tage-Arbeitswoche in Festanstellung. Nach dem Studium habe ich mich ohne jede Berufserfahrung sofort als Rechtsanwältin selbstständig gemacht und meine eigene Kanzlei gegründet.
Ich wollte unter keinen Umständen angestellte Rechtsanwältin sein und für Menschen, die ich nicht respektiere, Kaffee kochen und Ekel-Akten (sorry, aber die gibt es reichlich) bearbeiten müssen, die keiner bearbeiten wollte. Ich wollte schon immer selbstbestimmt und finanziell unabhängig sein. Und es hat 30 Jahre lang funktioniert. Bis „Corinna“ kam, die Schnepfe. Arbeiten gehört zu meinem Lebensstil und bedeutet ebenso Lebensqualität für mich.
Das monatelange Zuhausehocken war also unter verschiedenen Aspekten eine Qual für mich. Ich ging nicht nur finanziell am Stock, sondern fühlte mich auch meiner Selbstbestimmtheit und meiner Freiheit beraubt. Natürlich kann ich als Yogalehrerin, die mir aufgenötigte Zeit sehr friedvoll dazu nutzen, furchtbar viel in mich zu gehen und hineinzuspüren, was meine Gefühlslandschaft mir unter den besonderen Voraussetzungen so allesanbietet.
Meine Rechnungen bleiben indes weiterhin unbezahlt.
Neu ist – man soll ja immer positiv denken-, dass ich jetzt bunte Briefe erhalte und mich viele Institutionen sehr lieb haben, macht mich natürlich auch richtig glücklich!
Nun ist das Tätigwerden als Yogalehrerin staatlicherseits also wieder erlaubt – unter den üblichen Einschränkungen. Meine anfängliche Euphorie wich in Lichtgeschwindigkeit der Ernüchterung: Kurse sind komplett eingebrochen, reduzierte Stundenpläne, leere Yogastudios. Die Yogastudios kämpfen um ihr Überleben, können ihre Lehrer nur geringfügig oder gar nicht bezahlen. Entweder die Teilnehmer bleiben zum großen Teil aus, was wiederum Einnahmedefizite bedeutet oder aber die​Abstandsregelungen sind derart absurd – besonders in Hamburg mit 2,50 m -, sodass nur ein Bruchteil der Teilnehmer in die Yogaräume passt, was vollkommen unwirtschaftlich ist.
Einige Yogastudios haben bereits Insolvenz angemeldet. Kurzum, die Lage ist für alle genauso bescheiden, wie zuvor.
Ich kann mich demnach auf weitere Durststrecken gefasst machen. Nun sitze ich also daheim auf dem Sofa, starre die Wände an und frage mich, was ich nun mit mir anfangen will.
Ich habe meinen Anwaltsberuf vor einem Jahr beendet, um mit Haut und Haaren Yogalehrerin zu sein – und nun das.
Ich bereue es keinen einzigen Tag. Yoga ist mein Leben.
In den Anwaltsberuf möchte ich nicht zurückkehren. Dies ist ein schöner Teil meines Lebens gewesen, aber für mich für immer abgeschlossen. Warum, schreibe ich gern ein anderes Mal.
Wie überlebe ich nun als Yogalehrerin?
Ich kann auch jetzt kein Geld mit Yoga verdienen. Ich bin 1001 Ideen gedanklich durchgegangen, ohne tragfähiges Ergebnis. Ich habe tage- und nächtelang gegrübelt, war wütend, war enttäuscht, war traurig, war verzweifelt und habe auch Tränen vergossen.
Ich möchte meine Energie nur allzu gern in eine Richtung lenken, aber in welche?
Wird die Arbeitswelt sich erholen?
Oder kommt ein zweiter Lockdown?
Womit muss ich rechnen, worauf darf ich hoffen?
Ich weiß es nicht. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich keinen Plan. Ich, die ich mehrere Unternehmen und Kanzleien aufgebaut, Vereine gegründet, Vorstands- und Präsidentschaftsämter bekleidet, frei und selbstbestimmt gelebt habe, habe zum ersten Mal keine Ahnung, wohin ich will. Ich habe zum ersten Mal keine Perspektive.
Ich glaube aus tiefstem Herzen daran, dass alles seinen guten Sinn hat, auch wenn ich ihn zurzeit nicht erkenne. Und ich hoffe, dass dieser Sinn sich mir bald offenbaren wird. HEY HO Sinn, HEY HO Perspektive, come on!

LOVE & NAMASTE an alle Yogalehrer/innen und Yogastudiobesitzer

Sophia Lamp (Yogalehrerin, Reiki-Meisterin, Volljuristin)

Wenn Ihr Sophia kennenlernen oder bei Ihr Personal Training oder Beratung mit ätherischen Ölen buchen möchtet, könnt Ihr sie sehr gern anschreiben sophialamp@web.de

Ansonsten bietet sie jeden Samstag Strand Yoga an
vom 13.06.-15.08.2020
um 9.00 Uhr in Pelzerhaken am Leuchtturm
Anmeldung: sophialamp@web.de

Und wenn hier Ihr gern möchtet, dass Eure Teilnehmer vielleicht mal etwas mehr über Euch erfahrt, dann schreibt mich gern an.
astrid@yocooking.de

Alles Liebe und habt einen guten Start in Euer Wochenende

Astrid

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2 Comments

  • Mantik
    Juni 12, 2020 at 8:10 pm 

    Danke für den Bericht von Sophia. Ihre offenen Worte erinnern mich teilweise an mein eigenes Straucheln während und in dieser Zeit. Ich wünsche ihr alles Gute und wertschätzende Teilnehmer/innen für ihre Angebote.

    • Astrid
      Juni 13, 2020 at 8:20 am 

      Vielen lieben Dank für Dein Feedback
      Ganz liebe Grüße

      Astrid

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