Yoga 'n Cooking Yoga 'n Cooking

Das müssen wir uns aber mal genauer anschauen…

Genau vor 7 Jahren war er plötzlich da. Dieser Besucher, den ich definitiv nicht eingeladen hatte… aber wer weiß, vielleicht ja doch und ich war mir dessen gar nicht so bewußt?
Vielleicht hatte ich ihm unbewusst schon längst die Tür geöffnet.
Ich nahm mir häufig viel zu wenig Zeitfür mich, war immer so beschäftigt mit meiner Rolle als berufstätige, alleinerziehende Mutter zweier Söhne. Die Warnsignale meines Körpers übersah, überhörte ich sehr, sehr häufig. Nahm mir keine Zeit mich mal wirklich zu fragen, ob sich alles was ich tat und wie ich lebte wirklich richtig und gut für mich anfühlte.
Ich praktizierte zwar zu dem Zeitpunkt regelmäßig Yoga, aber sonst… ich ernährte mich mal besser und mal schlechter. Ich war mal mehr in meiner Mitte und mal weniger. Ich hatte anstrengende Jahre hinter mir beruflich als auch privat… bin ich immer achtsam in jeder Hinsicht mit mir umgegangen? Ich kann es aus heutiger Rückschau nur verneinen…
Ich bin nie wirklich nach außen gegangen mit meiner Geschichte, habe mich eher zurückgehalten, weil ich es nicht mag im Mittelpunkt zustehen.
Ich bin lieber stiller, agiere eher aus der 2. Reihe heraus und teile meinen Rat mit, wenn ich danach gefragt werde.
Mein Besucher hat mir und meiner Familie damals vieles abverlangt, er hat von jetzt auf gleich sozusagen alles verändert, nichts war mehr so wie es vorher war, ein Trauma für mich, aber auch für meine Söhne.
Und ich habe damals schon erkannt wie unterschiedlich sich Menschen in wirklichen Krisensituationen verhalten, auf wen man sich verlassen kann und auf wen nicht.
Manche von denen man so sicher war, sie wären da, würden unterstützen, drehen sich lieber um, gehen weg, sind überfordert, haben außer oberflächlichen Ratschlägen nicht wirklich viel zu bieten, sprechen lieber über sich als das sie zuhören.
Andere sind sofort da ohne viel zu fragen, reichen sie die Hand, helfen wo sie nur können, ungefragt und selbstverständlich.
Eine Krisensituation, auch wenn sie noch so schwierig erscheint, zeigt meiner Meinung nach viel, lässt Neues entstehen, schafft Klarheit, lässt erkennen wovor man sonst die Augen verschießt.

Also, vor genau 7 Jahren stand am letzten Tag im April der Besucher Krebs in meiner Tür. Brustkrebs um genau genau zu sein, die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Durchschnittlich erkrankt jede 8. Frau im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs und es ist schon lange nicht mehr so, dass nur Frauen mit einer genetischen Vordisposition an Brustkrebs erkranken. Übrigens kann eine Brustkrebserkrankung auch Männer treffen.
Ich weiß noch vor 7 Jahren war ich wie im Schock als ich die Nachricht bekam, dass mein Knoten, Knubbel, bohnengroßes Ei in meiner Brust bösartig sei.
Ich habe bei der Befundbesprechung immer wieder nach hinten über meine Schulter gesehen, weil ich dachte sie spricht doch jetzt nicht mit mir, das kann doch gar nicht sein…. aber doch sie meinte mich und meine Brust.
Alles war von dem Moment an anders, alles war neu, nichts war einfach, alles herausfordernd und vieles hat sich dadurch geändert für mich und auch für meine Söhne, meine Familie, meine Freunde, mein komplettes Umfeld.
7 Jahre mit vielen wirklich blöden, aber auch schönen Momenten, mit vielem Unwissen und auch vielem neuen Wissen, mit vielen Veränderungen, mit dem Integrieren dieser Erkrankung in mein Leben, mit vielen Arztterminen, weiteren OPs, mit dem Wissen eine Risikopatientin zu sein, mit dem Lernen meine Angst nicht zu meinem persönlichen Diktator werden zu lassen, denn der Weg aus der Krise ist die Überwindung der Angst, mit regelmäßigen Kontrolluntersuchungen, da das Risiko wieder erneut zu erkranken immer bestehen bleibt und die Regel, dass wenn man nach 5 Jahren Symptomfrei sei, der Krebs überstanden ist schon lange nicht mehr gilt.
Und Ende März dieses Corona Jahres kam für mich sehr überraschend bei einer Untersuchung dieser Satz meiner Ärztin “das müssen wir uns jetzt aber mal genauer ansehen!”
Ich war gerade dabei mich an den Lock Down zu gewöhnen, war dabei meine Pläne hinsichtlich Ayurveda & Yoga in Kombination mit den ätherischen Ölen neu zu überdenken, hatte mir mein Jahr 2020 komplett anders vorgestellt. Musste mich verabschieden von meinem Yogaretreat auf Korfu, weil Reisen nicht mehr möglich war, musste mich mit der Tatsache, dass nichts war mehr planbar war, arrangieren. Dieser Satz “das müssen wir uns jetzt aber mal genauer anschauen!” traf mich aus dem Nichts, brachte meine Welt komplett ins Wanken und obwohl ich weiß, dass dieser Satz jederzeit in den letzten 7 Jahren hätte kommen können.
Es folgten eine Reihe von Untersuchungen… nicht schön, doch glücklicherweise kannte ich das ja alles schon.
Dank Corona brauchte alles viel Zeit… Zeit die normalerweise bei einem derartigen Verdacht gar nicht vorhanden ist, denn die Schulmediziner wollen möglichst schnell abklären was für eine Krebsart unbemerkt im Körper gewachsen ist, ob es schnell wachsender Krebs ist und vor allem wo er sich überall eingenistet hat.
Vor 7 Jahren hat mich das schnelle Tempo genervt, weil ich gefühlt keine Zeit hatte mich mit der ersten Diagnose auseinanderzusetzen, diesmal war die neu entdeckte Langsamkeit für die die Corona Maßnahmen gesorgt haben eine echte Herausforderung für mich. Meditationen und Atemübungen haben mir jedesmal geholfen damit zurecht zu kommen.
Seit 3 Wochen ist es sicher… es werden herausfordernde Sommermonate werden für mich und mein gesamtes Umfeld. Ich werde sozusagen abtauchen, nicht mehr so sichtbar sein wie sonst. Mich um mich und meine Heilung kümmern.
Ich werde einiges anders machen bei diesem 2. Mal, mache es letztendlich jetzt schon.
Weiß das jede Erkrankung gesehen werden möchte.
Erinnere mich täglich an meinen Satz, den ich immer wieder gern zu Yogaschülern oder beim Ayurveda Coaching sage “Deine Seele spricht zu Dir über Deinen Körper. Du solltest genau hinsehen und zuhören!”
Meine Seele spricht ebenfalls zu mir und zwar schon länger, aber so ist das eben mit der Selbstfürsorge. Für andere weiß man immer so vieles besser, kann die klügsten Ratschläge geben und vergisst sich selbst dabei…Und ich glaube genau deshalb hat sich meine Brustkrebs diesmal eine Stelle meines Körpers gesucht, die ich, selbst wenn ich es wollte nicht übersehen kann und die gerade dafür sorgt, dass ich mich mit der Schulmedizin versöhnen darf, denn ohne diese würde es jetzt nicht besonders gut für mich aussehen.
Also nichts mehr mit schnell schnell schnell wieder gesund werden und dann so tun als wäre wieder alles gut. Diesmal brauche ich wirklich Zeit und sehr viel Vertrauen.
Und ich werde diesmal über meinen Weg berichten, mehr oder weniger regelmäßig, je nachdem wie es mir geht, wie ich mich fühle, wie ich meine Therapien vertrage, weil es mich in den letzten Jahren immer wieder genervt hat, dass Menschen so viele Ratschläge von sich geben ohne jemals selbst an Krebs erkrankt zu sein. Das heißt jetzt nicht, dass ich glaube jeder Arzt oder Therapeut kann nur Krankheiten behandeln, wenn er diese schon mal selbst erlebt hat. Es gibt viele mitfühlende Ärzte und Therapeuten, jedoch werden gerade im Bereich der schweren chronischen Erkrankungen so viele Fortbildungen, Workshops, Vorträge angeboten ohne, dass der Referent oder die Referentin auch nur ansatzweise eine Ahnung davon hat wie es sich z.B. tatsächlich anfühlt einen Port zu haben oder frisch operiert im MRT zu liegen. Wie es ist, wenn die Venen so kaputt sind, weil die ersten Chemotherapie über einen Zugang gegeben werden musste, wie es sich anfühlt, wenn nichts mehr schmeckt oder man plötzliche als Nebenwirkung von irgendwelchen Medikamenten z.B. depressive Verstimmungen bekommt und dadurch das zu sich nehmen einer simplen Mahlzeit eine echte Herausforderung wird.
Vom ersten Tag an steht das Leben auf dem Kopf und es gibt Patienten denen hilft es sicherlich sich so viel wie möglich über diese Erkrankung zu informieren, über die Nebenwirkungen der Medikamente, die Sinnhaftigkeit der Therapien u.s.w. damit sie verstehen was auf sie zukommt, sie besser mitmachen können.
Es gibt aber auch andere, die von all dem gar nichts wissen wollen, die alles den Ärzten überlassen, nichts hinterfragen und auch das ist okay, denn jeder findet seinen eigenen Weg mit der Erkrankung umzugehen, jeder Weg ist richtig und gut.
Für die Angehörigen und Freunde ist das der erste Lernprozess dieser Erkrankung, sie müssen lernen, dass sie da sein, helfen, trösten, aufbauen, aber niemals erwarten können, dass Vorschläge angenommen werden.
Der Weg der Heilung ist ein sehr persönlicher und individueller Prozess, den sich jeder ich entsprechend aussucht.
Meiner Meinung nach müssen wir lernen mit Krankheiten zu leben, wir sind nicht unsterblich, auch wenn das so manch einer gerne glauben würde, wir können unser Leben nicht versichern, es unendlich machen. Wir können nur lernen jeden Moment zu genießen und uns immer wieder fragen, ob sich unser Leben gut für uns anfühlt.

Ab nächste Woche bin ich dann erstmal weg… Krankenhaus in Coronazeiten. Das wird bestimmt spannend.

Liebe Grüße

Astrid

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